Die unverwechselbare Tilsiter-Kuh

Handgemacht im Berner Oberland

Die unverwechselbare Tilsiter-Kuh

Handgemacht im Berner Oberland

Der Tilsiter ist ein waschechter Ostschweizer, der in naturnah produzierenden Familienkäsereien im Tösstal, Toggenburg, Gasterland und Thurgau entsteht. Die legendären Tilsiter-Holzkühe hingegen kommen aus dem Berner Oberland. Die grosse Gemeinsamkeit: Käse und Kuh entstehen in liebevoller Handarbeit – «Swiss Made».

Was Kinderherzen höher schlagen lässt und selbst nüchternen Zeitgenossen ein Schmunzeln entlockt, entsteht seit den 1950er Jahren in einer Holz-Werkstatt in Hofstetten bei Brienz im Berner Oberland.

Gemeinsam mit seiner Frau Elsi haucht der Schnitzer Hans Fuchs den vorgesägten Rohlingen des Nachbars Albert Mäder Leben ein, bis sie in einer stolzen Herde grün und rot gefleckt per Post ins Lager der Sortenorganisation Tilsiter Switzerland reisen.

Die Herstellung der Tilsiter-Kuh ist eine alte, noch immer lebendige Handwerkertradition, ist handwerkliches Geschick und Liebe zum Detail. Und sie ist ein Lebensstil, der Arbeit ohne Stempeluhr in den Alltag integriert.


> ausführliche Reportage

 

 

 

 

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Das Holz – aus währschafter Föhre

Beim Holz fängt es an: Hans Fuchs kauft es selber ein. Es ist immer Föhre aus dem Bernbiet. Die Baumstämme lässt er zu rund sechs Zentimeter dicken Brettern sägen. Diese schneidet er mit der Fräse auf gut einen Meter Länge und 20 Zentimeter Breite zu.

Elsi Fuchs zeichnet die Tierformen auf die Bretter. Für Grossaufträge, wie zum Beispiel für die Tilsiter Kuh, liess sie Stempel anfertigen. Unter bester Ausnützung des Materials stempelt sie Tilsiter-Kuhformen auf die Bretter.

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Rohlinge vom 91-Jährigen

Die vorgezeichneten oder gestempelten Bretter werden dem 91-jährigen Albert Mäder geliefert, einem gelernten Kleinschreiner aus dem Dorf, der seit seiner Pensionierung auf der Bandsäge die Rohlinge zuschneidet. Er legt das Brett auf den Sägetisch und führt es mit ruhiger Hand durch die leise schnurrende Bandsäge, 

bis Rohling um Rohling in den bereitgestellten Korb purzeln. Dank ihrer Dicke lassen sie sich durch einen Längsschnitt gleich verdoppeln. Ein gewisses Mass an industrieller Effizienz gibts eben auch beim Handwerk.

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Schnitzen mit Fingerspitzengefühl

In grossen Kisten kehren die Rohlinge in die Werkstatt der Familie Fuchs zurück. Mit Klöppel und Schnitzmesser haucht Hans Fuchs den vorgesägten Formen Leben ein.

Für die Feinarbeit mit dem Schnitzmesser zieht er sich auf den durchgesessenen Stuhl im Ausrüstraum zurück, bis er die exakt geformte Kuh seiner Frau Elsi auf den Tisch stellen kann.

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Rote oder grüne Flecken – die Tilsiter-Kuh entsteht

Nun folgt der Part von Elsi Fuchs als Ausrüsterin. Zwar hat schon eine rohe Holzkuh ihren Reiz, aber so richtig schön wird sie erst mit Hörnern, Ohren, Flecken, Halsband und Glöckli. Zunächst bohrt Elsi Fuchs links und rechts je zwei kleine Löcher in den Kopf. Dann wird die ganze Form an der Bandschleifmaschine gründlich geschliffen.

Mit etwas Leim werden die Ohren und die Hörner in die vorgebohrten Löcher gesteckt. Nun kommen die roten und grünen Flecken an die Reihe. Jeder Fleck sitzt beim ersten Pinselschwung, in der richtigen Form und randscharf.

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Handwerkliche Akrobatik

Sobald die Farbe getrocknet ist, folgt die Kür, die niemand so gut beherrscht wie Elsi Fuchs. Das Befestigen der Kuhglocke ist ein Höhepunkt handwerklicher Akrobatik: schwarzes Band um den Hals legen und abtrennen, Kehle anritzen, Messingglöcklein einstecken,

Nägelchen seitlich durch das Band drücken, so, dass es das Holz und die Glockenöse durchstösst und auf der anderen Seite im Holz stecken bleibt. Schliesslich soll die Nagelspitze nicht wieder zum Vorschein kommen.

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Und zum Finale Ohren und Hörner

Auch hinter den Kuh-Ohren steckt viel Erfahrung. «Damit sie schön aussehen, haben wir am Anfang vieles ausprobiert und immer wieder verbessert», erzählt Elsi Fuchs. «Die Hörner sind aus einem geeigneten Material», bleibt Elsi Fuchs geheimnisvoll. Auch diese werden mit speziell hergestellten Messern gestanzt. Zu Hunderten liegen vorgestanzte Ohren und Hörner in Holzkistchen – bereit für weitere Einsätze.

Wenige Gehminuten von der Werkstatt liegt die Post. Von hier gelangen die beliebten Tilsiter-Kühe in Transportkisten nach Weinfelden, wo die Sortenorganisation Tilsiter Switzerland ihren Sitz hat. «Diese Kühe sind unser Wahrzeichen – und mehr denn je ein Renner», betont Claudia Moya, die für die Kommunikation, die Degustationen und Messen verantwortlich zeichnet. Und sie schwärmt: «Ob als Geschenk oder Preis – eine Tilsiter-Kuh kommt immer gut an.»

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Milchkühe